Peter Horton Buch – Pflaumen im Apfelhimmel

Gepostet am Mai 18, 2018

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Beschreibung

Peter Horton macht uns als Poet auf die Verrücktheiten und die schönen Seiten des Lebens aufmerksam. Seine Geschichten beleben die Eulenspiegelfreunde des inneren Kindes in uns. So entdecken wir die Zärtlichkeiten und Wunder, die im Botensack der Phantasie auf uns warten. Das ideale Geschenk für Träumer und spirituell aufgeschlossene Menschen.

Die Dinge und das Dasein haben immer Lust, Geschichten zu erzählen. Das ist ihr Weg, um die Gastlichkeit unseres Herzens zu nähren, mit der allein wir die Welt in Liebe hüllen und heilen können. Mögen diese Geschichten und Gedanken in diesem Sinne Freude bereiten.

Leseprobe

Leseprobe für “Pflaumen im Apfelhimmel”

 

 

DIE BITTE SEINES HERRN

 

Ein Mann flehte über viele Jahre in einfachen Worten zu seinem Gott: „O Herr, neige deine Gunst hierher in meine Richtung. Ich bin ein armer Mann: Laß mich bitte im Rennlotto gewinnen.“

Nichts dergleichen geschah. Ausdauernd.

Vier Bündel Zeit, die jeweils der Lebensspanne einer Maus entsprachen, vergingen gelassen.

Vielleicht muß ich meine Inbrunst steigern, dachte der Mann eines Tages.

Zwei Hühneralter lang betete er jetzt mit so gewaltiger Inbrunst, dass ihm dabei die Adern am Kopfe schwollen: „Hier sitze ich, o Herr, im Staube meiner Wohnung und flehe zu dir: Lass mich bitte sofort im Rennlotto gewinnen.“ Oder so ähnlich.

Der Himmel schwieg.

Als aber eineinhalb Hundealter ohne Lottogewinn verstrichen waren, dachte der Mann in der Dunkelheit seiner Hoffnung, vielleicht hört er mich nicht bei all der Ablenkung durch andere Beter. Sicher muß ich ihn lauter anrufen.

Ein Ochsenalter lang betete er fortan bei offenem Fenster und so laut, dass sich die Nachbarn um ihn sorgten.

„Hallo!!“ legte er beim erstenmal los, nahm das aber sofort wieder zurück, da er das Wort in diesem Zusammenhang als fremd erkannte. Er tat, als wäre es nur eine Art Mikrofonprobe gewesen, und pendelte sich mit seiner Darbietung alsbald folgendermaßen ein:

„Siehe, o Herr“ brüllte er, „als dein nichtswürdiger Untertan liege ich hier auf heißen Knien im Schwelbrand meines Lebens und erflehe einen Wink deiner Allmacht: Lass mich bitte im Rennlotto gewinnen!“

Ungerührt verging die Zeit.

Nachbarn verstarben, neue rückten nach und wurden in die Gepflogenheiten eingeweiht.

Eines Tages taten sich das Wetter und das Alter des Mannes zusammen und warfen ihn aufs Krankenlager. Ohne Unterlass betete er zur gewohnten Tageszeit weiter. Jetzt eben im Liegen.

Da! …Endlich, eines Abends geschah es. Während seines Gebetes fuhr es ihm in die Seele wie ein Blitz ins Dachgebälk, und er vermeinte deutlich zu spüren, dass der Himmel Rührung zeige. Aufgeregt horchte er. Und erst leise, dann aber ganz deutlich vernahm er schließlich – schon fast an der Schwelle des Todes – überglücklich die Stimme seines Gottes.

„Mein geliebtes Menschenkind,“ sprach die Urkraft voller Wärme, „so viele Jahre flehst du nun schon zu mir um einen Gewinn im Rennlotto. Gib mir doch bitte endlich eine Chance, kauf dir ein Los und spiele!”

 

Zusätzliche Information

Gewicht 0.2 kg