Presseartikel: Peter Horton im Lutherhaus

Gepostet am Jun 4, 2014

Vom 06.04.2014, 16:11 Uhr

Osnabrück. Am Samstagabend war gastierte der österreichische Künstler Peter Horton im Osnabrücker Lutherhaus.
„Philotainment“ nennt Peter Horton seine Art der Abendunterhaltung. Dahinter verbergen sich Worte ebenso wie Musik und, mal kombiniert, mal separiert, entwickelt sich aus beiden die eigentümliche Poesie des aus Österreich stammenden Künstlers. Am Samstagabend gastierte Horton im Lutherhaus: ein Auftritt irgendwo zwischen Leichtigkeit und Meditation, Zynismus und schwarzem Humor.
Mit dem Alter würde man milder, und das sei eigentlich auch ganz gut so, bekundet Horton eingangs seinem Publikum: Sich selbst in die Tradition der 68er setzend, spricht er von tausend Fingern, die seine Generation damals an beiden Händen gehabt habe, um auch ja einen in jede offene Wunde der Gesellschaft legen zu können. Das sei anstrengend gewesen und nicht besonders produktiv.
Dann greift er zur Gitarre, und wer ihn spielen hört, könnte meinen, jene tausend Finger je Hand müssten auch heute noch da sein: Anders ließe sich die mitunter atemberaubende Geschwindigkeit, mit der er die Saiten zupft, schlägt und greift, schließlich kaum erklären. Und auch einen schwarzen Humor bis zur Boshaftigkeit entfaltet der mittlerweile 62-jährige wie noch stets mit einer gewissen Freude: Zwischendurch lässt er aus seinem Buch „Die zweite Saite“ einen Haufen von ihm als „Schmunzelzynismen“ titulierte Aphorismen aufs Publikum los. „Mit Blasen an den Füßen geht man bewusster“, sagt er dann zum Beispiel und bläst anschließend im Gedicht „Von einem Hirn, das auszog“ zum Rundumschlag auf die Politik.
Und doch bleibt da viel Platz für eine differenziertere, reifere, vielleicht altersmildere Sichtweise: In „Wilde Gärten“ sinniert Horton über Manifestationen menschlicher Gestaltungsmacht und die beiläufige Ruhe, mit der die Natur sich stets alles zurückerobert, und erlaubt im Lied „Vater“ dann einen sehr intimen Einblick in seine Biografie.
Fast schwerelos wirkt er mit seinen Gitarren vorn auf der Bühne. Das suggerieren zumindest die Klänge, die er ihnen entlockt, und nur manchmal wird in einem kurzen Augenblick die Körperspannung offenbar, die als physische Grundlage seiner Virtuosität dient. Deren internationale Ausbildung macht sich an allen Ecken und Enden des Abends bemerkbar: Brasilianische Leichtigkeit, der Rekurs auf das Chanson und schließlich Glenn Campbells „Gentle on my mind“ im schlimmsten Austro-Englisch weisen die Vielfalt eines Musikers aus, der sich dann zum Schluss, per Gedicht und wieder ganz Spitzbub, mit allem Wiener Schmäh von seinem Publikum verabschiedet.
Markus Pöhlking, Neue Osnabrücker Zeitung